(AUG 2021): REZENSION ZUM NEUEN GEMEINWOHLBUCH VON KURT REMELE
"Es geht uns allen besser, wenn es uns allen Besser geht" 

 



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6. September 202
Zur neuen Ausgabe der Begegnung & Gespräch

Als im Jahre 2010 der damalige Bundespräsident Wulf in einer denkwürdigen Rede sagte, der Islam gehöre auch zu Deutschland, kam es zu heftigen Abwehrreaktionen auch in Christian Wulfs eigener Partei. In der Erkenntnis, dass es „um heikle Dinge“ gehe, hätte Wulfs Nachfolger Gauck lieber formuliert: Die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.
Sehr wohl um die problematische Geschichte Deutschlands wissend formulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Der Islam gehört zu Deutschland. Das ist so. Dieser Meinung bin ich auch.“
Zu Beginn ihres Vernichtungsfeldzugs wollten die Nationalsozialisten nicht von den „deutschen Juden“ sprechen, sondern von den „Juden in Deutschland“. Damit und mit weiteren Maßnahmen wurde schrittweise die nationale Identität der deutschen Juden aufgehoben. Juden und Deutsche entwickelten nunmehr jeweils eine eigene kollektive Identität (Nicht-Arier und Arier).
In seinem Artikel „Nach 1700 Jahren“ weist Michal Bodemann daraufhin, dass in der Gegenwart in vielerlei Hinsicht den Muslimen ähnlich wie den Juden damals eine deutsche Identität verwehrt wird, wenn sie pauschal als abstoßend, fremd und antisemitisch bezeichnet werden. Der Anti-Antisemitismus würde neben der „Fremdartigkeit“ zum Vehikel der Exklusion werden. Geschichte würde sich damit in fataler Weise wiederholen.
Der Künstler Eran Shakine hingegen will mit seinen Bildern dazu beitragen, gesellschaftliche Brüche trotz unterschiedlicher Religionen zu verhindern und zu heilen.

Die Redaktion

1. Mai 2021:

Liebe Leserinnen und Leser,

Querdenken galt bislang als kreatives, unkonventionelles und innovatives Denken, das ein Ausbrechen aus alten Denkmustern beinhaltete. Querdenker waren Vordenker, die mit einem erheblichen Schuss Opposition kreative Wege aufzeigten, um mit neuen und überraschenden Sichtweisen und Lösungsangeboten zur Förderung von Individuum und Gemeinwohl beitrugen.
Beispiele aus der Geschichte und der Vergangenheit gibt es viele: Mahatma Gandhi, der  Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung mit seinem friedlichen Aufbruch zum historischen Salzmarsch. Der russische Staatspräsident Michail Gorbatschow, der mit Glasnost und Perestroika die gewaltfreie Beendigung des Kalten Krieges einleitete. Eugen Drewermann, der mit seiner psychologischen Deutung von Bibeltexten, mit seinem Einsatz für friedliche Völkerverständigung und mit seiner Tierethik vielen Menschen aus eingefahrenen Gleisen hilft. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.

Diejenigen, die sich heute als Corona-Leugner und Impfgegner Querdenker nennen, missbrauchen in ihrer Mischform von Rechtsextremisten, Antisemiten, Reichsbürgern und Esoterikern diesen Namen auf das Übelste.
In zwei Beiträgen (BuG 191 und BuG 191b) zeigt Michael Blume, warum das Querdenken seine Wurzeln im süddeutschen Raum hat und welchen Einfluss dabei der Pietismus, das anthroposophische Denken und die historische Skepsis-Tradition Württembergs ausüben. Zugleich aber finden sich auch Anregungen gegenüber dieser autoritären Glaubensbewegung resistent zu werden. Nur so kann man dieser autoritären Glaubensbewegung wehrhaft gegenübertreten.

Ihre Redaktion

 
19. Januar 2021:

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Corona-Krise musste und muss man ja ohnehin schon auf vieles
verzichten. Die Hoffnung, wieder zur „Normalsituation“ – also zu der Zeit vor
der Corona-Krise – zurückzukehren, wird beflügelt durch den Einsatz der
Impfstoffe. Doch kann und darf es dann ein „Weiter so wie bisher“ noch
geben?
In einer Umfrage der ARD sprechen sich nach dem Hitzesommer 2018 mit all
seinen katastrophalen Folgen 74 % der Befragten für mehr Klimaschutz aus.
Mit der Forderung nach Bewahrung der Schöpfung verweisen Politiker, Bürger
und Kirchen auch auf den biblisch-christlichen Hintergrund ihrer
Argumentation.
Wenn es dann allerdings gilt, beim Einsatz für Klimaschutz, Umwelt und
Nachhaltigkeit den gewohnten Lebensstil zu verlassen, ist nicht mehr viel vom
Veränderungswillen zu spüren. Konsum- und Mobilitätsverzicht? Immer mehr
junge Menschen gehen wohl dafür auf die Straße. Bei vielen sind aber die
Verlustängste weit größer als die Bereitschaft zur Veränderung.

Albrecht von Lucke zeigt in seinem Beitrag auf, dass die derzeitige Korona-
Pandemie unser gesamtes Konsum- und Lebensmodell auf den Prüfstand stellt.
Ohne einen Konsumverzicht, ohne für die Waren des Südens gerechte Preise
zu zahlen, ohne radikale Einschränkungen bei der Mobilität taumeln wir in eine
Zukunft, die wegen der Unumkehrbarkeit der Situation weit schlimmer sein
wird, als die Beschränkungen, die uns die Corona-Krise auferlegt.
Von Lucke meint, dass eine „Wende zum Weniger“ möglich ist, wenn das, was
2020 an Mobilitäts- und auch Konsumverzicht erfolgte, daraufhin überprüft
werden würde, was für den Menschen unverzichtbar ist, was aber andererseits
sehr wohl unnötig ist. Der homo consumens, der, der möglichst viel und billig
konsumiert, ist der Inbegriff einer egoistischen Individualisierung. Konsum wird
für ihn zum Inbegriff persönlicher Freiheit, die auf jeden Fall bewahrt und
verteidigt werden muss.
Die Sozialpflicht sollte– so von Lucke weiter – nicht nur unter egoistischem
Aspekt im Nahbereich praktiziert werden. Sie muss gerade auch auch
gegenüber einer globalen Umwelt neu entdeckt und praktisch umgesetzt
werden.
Wir hoffen, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, den Beitrag mit innerem
Gewinn aufnehmen werden.

Ihre Redaktion

P.S.: Ein Video-Interview mit Albrecht von Lucke von Siegfried Kratzer werden Sie Ende Februar hier finden.

 

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1. Februar 2019: ZUM Start von Begegnung-Online.de

Liebe Leserinnen und Leser,

vor 50 Jahren läuteten die »68er« das Ende der verknöcherten, biederen Welt Nachkriegsdeutschlands ein, das sich schwer tat, sein autoritäres Grundrauschen abzustellen.
Obgleich die Kirchen damals als Repräsentanten dieses alten Deutschlands galten, entsprechend in Frage gestellt und bekämpft wurden, trug die »frohe Botschaft« den emanzipatorischen Charakter immer schon in sich.

So bewegte sich auch etwas in den christlichen Kirchen - etwa zeitgleich mit den Aufbrüchen der 68er, aber doch in großer inhaltlicher Distanz, viel vorsichtiger, vielleicht auch mutloser, meist zwei Schritte vorwärts und dann gleich wieder einen zurück - oft auch umgekehrt!

In dieser Zeit wurde »Begegnung und Gespräch« aus der Taufe gehoben: Bahnbrechend als ökumenisches Projekt der Evangelischen Landeskirche in Bayern und des Katholischen Schulkommissariates der Bayerischen Bischofskonferenz, um den aufkommenden ökumenischen Geist im Bildungsbereich zu unterstützen und zu begleiten.
Ca. 40000 Zeichen auf 8 Seiten bildeten genug Raum für aktuelle Themen aus der Erziehungs- und Bildungsarbeit, z.T. wissenschaftlich aufgearbeitet, gelegentlich auch mit zwei Beiträgen - evangelisch und katholisch - zu dem jeweiligen Themenschwerpunkt.
25 Jahre später war die geschwisterliche Zusammenarbeit der Kirchen und besonders auch der Redaktion viel selbstverständlicher geworden.
Mit nun einem Beitrag wurde versucht, eine gemeinsame Sicht auf ein aktuelles Thema zu skizzieren.
Um den sich rapide verändernden Lesegewohnheiten gerecht zu werden, wurde die Textmenge auf ca. 17.000 Zeichen mehr als halbiert - zugunsten eines ansprechenden Layouts und großzügigerer Bebilderung. Mittlerweile hatte die Auflage über 70.000 Drucke pro Ausgabe erreicht.

Jetzt - weitere 25 Jahre später - setzt uns nicht nur der Kostendruck zu: wir erhalten zwar weiterhin überwiegend sehr positive Rückmeldungen zu den einzelnen Heften, aber fast immer von älteren Kolleginnen und Kollegen. Die Generation »U40« hat wiederum veränderte Wege der Informationsbeschaffung und vermutlich auch der Informationsverwertung.
Google, Facebook, Twitter u. v. m. spielen inzwischen eine wesentliche Rolle.
So braucht auch »Begegnung und Gespräch« nach weiteren 25 Jahren wieder eine Neu-orientierung, die weit über das Gestalterische hinausgeht: Die Ausgaben in Papierform werden nur noch vierseitig erscheinen. Das halbiert zwar die Druckkosten, bietet aber nicht mehr den Platz, ein Thema tief genug und trotzdem ansprechend gestaltet zu präsentieren. Der zweite Teil unserer Zeitschrift wandert ins Netz. Dort ist dann Raum, ein Thema ohne Platzbeschränkung weiterzuentwickeln - nicht nur mit dem traditionellen Artikel sondern auch im Dialog mit unseren Lesern über Kommentare und Diskussionsforen, mit zusätzlichen Inhalten, Links, Bildern etc.
So könnten gerade diese neuen Möglichkeiten den Zeitschriftentitel mit neuem Leben füllen und »Begegnung und Gespräch« in eine neue Epoche führen.
Ob dieses Experiment gelingt und »Begegnung und Gespräch« tatsächlich auch in der vernetzten Gesellschaft zu den spannenden Diskussionen um Erziehung und Bildung aus christlicher Perspektive beitragen wird, hängt davon ab, ob wir es schaffen, das Konzept so mit Leben zu füllen, dass Sie als Leser gerne dieses Angebot nutzen und - besonders auch in sozialen Netzwerken - weiterempfehlen.

Viel Freude beim Lesen und beim Entdecken der neuen Möglichkeiten wünscht Ihnen

Ihre Redaktion

 

 

 

 

Rezension:

 

 Wenn es dem Einzelnen und allen besser gehen soll, dann taugen allein parteipolitische und wirtschaftliche Argumente nicht für eine gültige ethische Basis. Es ist ein Gebot der Stunde, dass christlicher Glaube ebenfalls in politisches Handeln münden muss und keinen Rückzug in eine „ekklesiogene Introvertiertheit“ (Karl Rahner) duldet.
In dieser Überzeugung ist dem Theologieprofessor für Ethik und Gesellschaftslehre an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz nach seinem Veröffentlichungserfolg „Die Würde des Tieres ist unantastbar“ erneut ein engagierter Beitrag gelungen, der aufrütteln will.

Wie ein roter Faden zieht sich das leuchtende Beispiel des anglikanischen Bischofs David Sheppard und des römisch-katholischen Erzbischofs Derek Worlock durch das Buch. Beide waren in der Zeit von 1976 – 1996 in ökumenischer Eintracht und in freundschaftlicher Verbundenheit mit Erfolg bemüht, in Liverpool durch unkonventionelles Auftreten und praktisches Tun die historischen Gräben zwischen Katholiken und Protestanten zuzuschütten. Zum andern ging es ihnen darum, die teilweise miserablen Lebensverhältnisse von Menschen in einer vom wirtschaftlichen Niedergang betroffenen Hafenstadt zu verbessern. Mit ihren gesellschaftlichen Initiativen zeigten sie gerade den Benachteiligten und gleichzeitig beispielhaft der Welt, dass das Evangelium eine ökumenische und eine gesellschaftspolitische Mission hat; dass Christentum nur dann gültig ist, wenn es politisch und aktiv im Sinne der Förderung des Gemeinwohls wird. Dazu waren für beide auch in einer Zeit, in der staatliches Handeln versagte, “klerikale Grenzüberschreitungen“ notwendig.

Remele zitiert dazu auch den US-amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King, Es sei falsch, dass Gott schon rechtzeitig eingreifen werde, während der Mensch nichts tue. Und Bonhoeffers Überlegungen zur „billigen Gnade“ treibt Remele weiter, indem er ausführt, dass es auch eine“ billige Hoffnung“ gebe, wenn Gott lediglich im Gebet und ohne eigene Taten angefleht wird, dass er alles gut machen soll – ein Aberglaube und ein Frevel Gottes angesichts der Klimakatastrophe, mit der der Mensch seine eigene Lebensgrundlage, seine Welt zugrunde zu richten droht. In diesem Zusammenhang wirft Remele auch einen kritischen Blick auf den Bittgang des Papstes Franziskus zu einem als wundertätig verehrten Pestkreuz und dessen Aufstellung vor dem Petersdom mit einem Bittgebet und dem Segen Urbi et Orbi für die Beendigung der Corona-Pandemie.
Mit dem unkonventionellen und öffentlichen Auftreten zugunsten der Schwachen und Ausgegrenzten, mit ihrem Moderieren bei Konflikten haben die beiden Liverpool- Bischöfe nicht nur entscheidende Anstöße gegeben, über die Gemeinwohlverpflichtung von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kirchen nachzudenken. Ihr ökumenisches Auftreten war zugleich auch ein Betreiben Öffentlicher Theologie, was ganz konkret Einmischen in die Gesellschaft bedeutet.

Remele zeigt auf, wie die katholische Kirche und die Church of England im Weiterführen des Anliegens von Sheppard und Worlock in ihren Verlautbarungen Worte einer regierungskritischen Öffentlichen Theologie gefunden haben und gleichzeitig auch heute beispielhaft für das öffentliche Eintreten von Kirche für das Gemeinwohl sind. Dabei greift er besonders auf die Gemeinwohlprinzipien der Katholischen Soziallehre und der Sozialethik zurück. Deren Kritik war im 19.Jahrhundert gegen die Exzesse eine individualistischen Liberalismus gerichtet. Im 20. Jahrhundert hingegen verteidigten sie angesichts der Zunahme totalitärer Systeme die Würde, die Freiheit und die Rechte des Individuums.

Im Ringen um eine saubere Definition von Gemeinwohl zeigt der Verfasser an Beispielen aus Geschichte und Gegenwart auf, wie einseitig und oft auch missbräuchlich der Begriff Gemeinwohl verwendet wurde. „Gemeinnutz geht vor Eigennutz.“ Im Gegensatz zu dieser hindenburgischen und nationalsozialistischen Verwendung betonte das Zweite Vatikanische Konzil die Würde und Rechte sowie die Freiheit und Gleichheit der Personen.
Anhand von unterschiedlich verwendeten und missbräuchlich instrumentalisierten Metaphern für Gemeinwohl (Familie, Orchester, Körper/Organismus, Bühne, Team) legt Remele ausführlich dar, wo und warum die Idee des Gemeinwohls in der Vergangenheit in Misskredit gebracht worden ist. Zugleich aber sieht er auch in manchen Bildern hilfreiche Deutungsbeispiele für das Praktizieren von Gemeinwohl.

Menschen sind allein von ihrem Weg vom abhängigen Kind hin zur erwachsenen Persönlichkeit soziale Wesen. Ihr Leben ist vom Geben und Nehmen, von berechtigten Ansprüchen und notwendigen Einschränkungen gekennzeichnet. Die in der Gemeinschaft mit Anderen entwickelte Würde der menschlichen Person ist für Remele „sowohl Ermöglichungs- als auch Begrenzungsgrund für individuelle Selbstverwirklichung“.

Die Erkenntnis, dass die Umwelt eines der Gemeingüter ist, die dem Menschen anvertraut ist, und dass alles Streben nach persönlicher Entfaltung und nach Gemeinwohl nur dann möglich ist, wenn die Umwelt, von der der Mensch lebt, intakt ist, führt dazu, den Kreis des Gemeinwohls in einem entscheidenden Punkt zu erweitern:  Nicht nur der Mensch zählt. Theologisch gesprochen: Die Umwelt ist wie er Teil der Schöpfung. Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben“ und seine Erkenntnis „Ich bin Leben, das leben will inmitten von Leben, das leben will“ beinhaltet die Ehrfurcht vor der Natur, die Gott erschaffen hat. Dies aber meint gleichzeitig, dass auch Tiere und Pflanzen einen Eigenwert haben, in ihrer Individualität ernstgenommen werden müssen, weil der Mensch sich selbst als Teil der Schöpfung zu begreifen hat und nicht von ihr zu trennen ist. Dabei muss unterschieden werden zwischen empfindungsfähigen, schmerzsensiblen nichtmenschlichen Tieren und jenen nichtmenschlichen Geschöpfen, die nicht schmerz- und leidensfähig sind. Auch wenn z.B. Pflanzen und Bäume wichtig sind für das Klima, so muss der Mensch hier der Natur anders begegnen als z.B. einem schmerzempfindlichen Hund, Schwein oder Rind. Mit wenigen, aber alarmierenden statistischen Zahlen, führt Remele erschütternde Beispiele an, wie – trotz Tierschutzgesetz und beteuerter Naturverträglichkeit – Tierwelt und Natur mit Füßen getreten und in kapitalistischer Gewinnorientierung zum Schaden des Gemeinwohls ausgebeutet werden.

Neben dem Einsatz für Gerechtigkeit ist der Mensch als Verwalter der Schöpfung einer ökozentrischen Umweltethik verpflichtet. Der Einzelne kann und soll einiges dazu beitragen, gefordert aber sind dabei auch Politik und Wirtschaft.- und das meint auch Verabschiedung von einem permanenten Wirtschaftswachstum, hin zu einem „grünen Wachstum“, einer „Post-Wachstums-Ökonomie“.

Nach der Lektüre legt man Remeles Buch nicht nur nachdenklich weg. Remeles Ausführungen zielen auf einen Paradigmenwechsel im Denken und Handeln – nicht nur beim eigenen Essverhalten. (Es ändert sich z.B. viel, wenn beim Essen nicht mehr die Frage ist: „W a s  gibt’s zu essen?“, sondern „W e n  gibt es zu essen?“)

Remele versucht die Frage zu beantworten, was sich im Verhalten des Einzelnen ändern muss.
Papst Franziskus bezeichnet das kapitalistische Wirtschaftssystem als „Wirtschaft des Todes“ (Evangelii Gaudium - 2013)  Dietrich Bonhoeffer brandmarkt bereits 1931 in einer Predigt „Technik und Wirtschaft als selbsttätige Gewalten, die den Menschen zu vernichten drohen.“ Aber es ändert sich nichts – obwohl angesichts einer drohenden Klimakatastrophe und der bestehenden Corona-Pandemie die Meinung zunimmt, dass sich etwas ändern muss. Es genügt wohl nicht, dass sich nur Personen ändern. Mit einem nur auf Wachstum und Gewinn ausgerichteten Wirtschaftsmodell, mit dem räuberischen, menschenverachtenden Finanzkapitalismus fahren wir uns und unsere Welt an die Wand. Jeder weiß, es muss sich grundsätzlich am System etwas ändern. Moralische Appelle helfen nicht mehr weiter.
Remele fordert zu Recht, dass der Staat geeignete institutionelle Regeln, Gesetze, Steuern, Auflagen und Anreize für faire Preise, faire Löhne und fairen Handel vorgibt. Damit würde die Gesellschaft nicht an den Markt, sondern der Markt an die wirklich ökonomischen, sozialen und ökologischen Bedürfnisse der Gesellschaft angepasst werden. Das wiederum wäre wohl die notwendige Wende zu einem Gemeinwohl-Handeln, das den Namen verdient.

Siegfried Kratzer

 

Kurt Remele:
„Es geht uns allen besser, wenn es allen besser geht“ –
Die ethische Wiederentdeckung des Gemeinwohls
Grünewald Ostfildern 2021, 200 S, 20 €

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