HomeOnline-AusgabenBuG173 Doberer/Bucher: LernLandschaften

LernLandSchaften  
Ausgabe: 173/2015

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Erwartungen an Schüler und Lehrer werden über alle Schulformen hinweg immer größer. Jahr für Jahr werden Bildungsreformen angekündigt und Lehrpläne neu formuliert; gleichzeitig beklagen Arbeitsmarktforscher, dass zu viele Schulabgänger keinen Abschluss haben oder nicht ausreichend qualifiziert für Ausbildung und Studium sind. Hinzu kommen die Herausforderungen, Schüler mit Migra-tionshintergrund chancengleich zu integrieren, die Ganztagsbetreuung auszubauen und Inklusionskonzepte erfolgreich umzusetzen. Schließlich braucht es in einer global vernetzten, hochtechnisierten Wissensgesellschaft mündige, junge Erwachsene, die Innovationen hervorbringen, in heterogenen Gruppen kooperieren, demokratiefähig sind, sich zivilgesellschaftlich engagieren und komplexe Probleme lösen können (u.a. OECD-Bildungsleitlinien).
Diesen bildungspolitischen Ansprüchen stehen immer mehr Schüler gegenüber, die über- oder unterfordert sind und die sogar Angst vor dem Schulbesuch haben. Gleichermaßen alarmierend sind aktuelle Studien zur Lehrerzufriedenheit und -gesundheit (vgl. Burow 2014). Stellvertretend für wohl viele Pädagogen wehrt sich Michael Felten, selbst Gymnasiallehrer und Lehrbeauftragter in der Lehrerausbildung, in seiner Streitschrift „Schluss mit dem Bildungsgerede!“ (2012) gegen den Zustand der bildungspolitischen Dauerreform: „Kein Wunder, wenn auffällig viele Pädagogen vorzeitig verhärten, ihre Arbeit nur noch mit zynischem Unterton verrichten, womöglich gar resignieren und ins Burnout geraten.“ (Felten 2012: 13). Der bekannte dänische Familientherapeut Jesper Juul geht sogar noch einen Schritt weiter: „Die Schule ist ein wachsendes Problem für unsere Schüler. Es sind die überkommene Schulkultur und ihre antiquierte politische Grundlage, der wir - was die Lehrer ausdrücklich mit einschließt - den Kampf ansagen müssen.“ (Juul 2010: 37).

 Spannungsfeld Schule

Bei allem berechtigten Klagen über unser Bildungssystem und dem hohen Veränderungsdruck von außen ist es umso verwunderlicher, dass sich im Kern wenig ändert. Fast scheint es, als hätten wir uns an manche Missstände in Schulen bereits so gewöhnt, dass wir sie nicht in Frage stellen:
- Warum wird selbst bei Schulneubauten am Konzept der »Flurschule« festgehalten? Die Phantasielosigkeit vieler Bauherren und Architekten in diesem Punkt ist nahezu beängstigend, auch wenn klassische Flurschulen heute energetisch modernisiert und bunt dekoriert sind.
- Warum gleichen Unterrichtsräume in ihrer statischen Frontalausrichtung und ihren dysfunktionalen Ausstattungsmerkmalen den Klassenzimmern von vor hundert Jahren? Das Gros der Schulräume genügt nicht den Anforderungen an einen pädagogisch zeitgemäßen Unterricht.
- Warum wird trotz besseren Wissens um die Verschiedenartigkeit von Lernstilen und Lerngeschwindigkeiten noch überwiegend lehrerzentriert unterrichtet?
- Wie kann individuelles Fördern und Fordern gelingen, wenn durch die Vorgaben in Lehrplänen und Prüfungsordnungen gleichzeitig ein Lernen im Gleichschritt angeordnet wird?
- Warum trauen wir Schülern so wenig zu?
- Warum findet Lernen fast ausschließlich hinter Schulmauern statt?
- Warum verstehen sich viele Lehrkräfte weiterhin als Einzelkämpfer?
- Warum werden Schüler, Eltern und außerschulische Partner erst in Schulentwicklungsprozesse eingebunden, wenn die Entscheidungen bereits zu 97% gefällt worden sind?

In der Schulentwicklung gibt es
manch »heilige Kuh« und viele »blinde Flecken«

Angesichts der gesteigerten bildungspolitischen Erwartungshaltung hat der Begriff der Schulentwicklung Hochkonjunktur. Bei näherer Betrachtung jedoch tauchen rasch Ungereimtheiten und Widersprüche hinsichtlich der Ernsthaftigkeit vieler Änderungsvorhaben auf. Zwar ist die Wunschliste lang und die Suchbewegungen sind groß – gleichzeitig aber wird an tradierten Konventionen vehement festgehalten. Es ist paradox, wenn auf der einen Seite die Bedeutung von Eigenverantwortung und lebenslangem Lernen proklamiert wird, andererseits aber den Lernenden und Lehrenden kaum Freiräume dafür zugestanden werden. Im konventionellen Schulbetrieb werden richtige Antworten auf von Lehrern vorformulierte Fragen und auswendig gelerntes Faktenwissen belohnt. Dabei klafft eine riesige Lücke zwischen dem, was Schüler laut Lehrplan im 21. Jahrhundert alles lernen und leisten sollen, und dem, was Lehrkräfte und Erziehungsberechtigte den Schülern in diesem Bereich tatsächlich zutrauen.
„Lernen in Interaktion, Kooperation und Kommunikation ist der Schlüssel für hohe Bildungsqualität. Zukunftsfähige Bildungskonzepte beruhen auf Lernformen, die auf den Erkenntnissen des sozialen Konstruktivismus basieren und das Von- und Miteinanderlernen (Ko-Konstruktion) in den Mittelpunkt stellen.“ (Bayerische Leitlinien für die Bildung und Erziehung von Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit (2009), Absatz 3.3).

Wie ehrlich sind solche Aussagen, wenn in der Schulpraxis gleichzeitig an veralteten Denkmustern von Konformität, Selektion und Kontrolle festgehalten wird?
Mit anderen Worten: Schüler sollen eine ganze Menge Neues lernen und Lehrer mehr leisten – wohl in den alten institutionalen Zusammenhängen? Dies ist ein Widerspruch in sich und ein Grund, warum sich trotz aller Bemühungen und Reformen kaum etwas ändert. Denn es ist mehr als fraglich, wie ein Kind beispielsweise Teamfähigkeit und Problemlösekompetenz entwickeln kann, wenn es stundenlang auf demselben Platz sitzt, nur nach Aufforderung sprechen darf und im 45-Minuten-Takt mit Fachwissen konfrontiert wird? „Denn Kinder merken sofort, wenn man ihnen wenig zutraut – das lähmt oder verstört sie, und dann stören sie eben selbst. […] Vielerorts ist alleine das Grundklima des Lernens nicht sonderlich ermutigend […]“ (Felten 2012: 60).
Konzepte der einseitigen Wissensvermittlung werden künftig – angesichts der Informationsflut und Komplexität unserer Arbeits- und Lebenswelt – noch viel schlechter aufgehen als sie es jetzt schon tun. Es steht außer Frage, dass Kinder Selbstorganisation erst lernen müssen, aber der nachhaltige Erwerb von Schlüsselkompetenzen ist nur möglich, wenn Lernende sich in neuen Anforderungs-, Leistungs- und Lernsituationen ausprobieren können. Das wiederum erfordert neue Raumkonzepte und einen konstruktiven Umgang mit Fehlern innerhalb eines geschützten Rahmens.
Dies sind pädagogisch hinlänglich bekannte, für manche Schule vielleicht unbequeme Erkenntnisse. Fast schon reflexhaft schieben sich Verwaltung, Schulleitung, Lehrer, Schüler und Eltern gegenseitig den Schwarzen Peter zu: „Hätten wir mehr Geld, würde Schule besser gelingen“, „Die Kinder haben keinen Respekt.“, „Die Eltern erfüllen ihren Teil des Erziehungsauftrags nicht.“, „Die Lehrer sind empathielos.“ … Diese Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen. Was bleibt, ist oftmals ein Gefühl der Ratlosigkeit und Resignation. Es mangelt an Vertrauen, Mut und Umsetzungskonzepten hinsichtlich der Verwirklichung moderner pädagogischer Ansätze in der Praxis, sodass es sich viele Schulen wider besseres Wissen in der Defensive bequem machen und auf große Reformen von oben hoffen - auch wenn dies in den Hochglanzbroschüren der Schulen selbstverständlich nicht erwähnt wird.

Sich auf den Weg machen

Es ist gewiss, dass sich nichts von heute auf morgen und schon gar nicht von alleine ändern wird. Jede Schule ist in ihrer Ausgangssituation, ihren Bedarfen und in ihren Möglichkeiten einzigartig. Eine zukunftsfähige Schulentwicklung braucht mutige Entscheider, die ihre eigene Haltung hinterfragen und die bereit sind, neue Wege zu gehen. Die wesentliche Frage lautet: Welche Schule brauchen die Schüler, damit sie gut lernen können, und welche die Lehrkräfte, damit sie diese Lern- und Entwicklungsprozesse gut begleiten können? Solche Fragen lassen sich nicht mit einem allgemeingültigen Rezept beantworten. Doch auch wenn es keinen Königsweg der Schulentwicklung gibt, lohnt sich die ehrliche Betrachtung der gegenwärtigen Raum-, Lern- und Teamkultur an einer Schule. Dieser ganzheitliche Ansatz ist eine wichtige Gelingensbedingung für ein Schulklima, das den Bedürfnissen von Lernenden und Lehrenden bestmöglich gerecht wird. Gebäude und Raum wirken, selbst wenn man ihrer Gestaltung keinerlei Beachtung schenkt.

Pauken im Gleichschritt

Im Prinzip geben konventionelle Flurschulen mit ihrer geschlossenen Schuhkartonarchitektur und der gängig monotonen Ausstattung bereits vor, auf welche Weise unterrichtet wird. In linear aneinandergereihten Klassen, deren Mobiliar streng auf Lehrerpult und Tafel bzw. Whiteboard ausgerichtet ist, bieten sich lehrerzentrierter Unterricht und Stillarbeit an. Andere Sozialformen lassen sich in solchen Räumen nur umständlich arrangieren, weshalb es nachvollziehbar ist, dass Gruppen- und Projektarbeit eher die Ausnahme als die Regel sind. In den „Schaustunden“ von Referendariat und Lehrproben sind schülerzentrierte Methoden zwar Pflicht, danach wird jedoch wieder überwiegend zum vertrauten Frontalschema zurückgekehrt, nicht zuletzt, weil die Stoffmenge beängstigend groß ist, die die Lehrer den Kindern laut Vorgaben „eintrichtern“ müssen. Dazu verfügen gegenwärtig die Lehrer bereits über ein vielfältiges didaktisches Repertoire, doch kommt dies in der Praxis kaum bis gar nicht zum Einsatz, weil die Klassenzimmer keine raschen und reibungslosen Methodenwechsel erlauben.
Unpersönliche Eingangsbereiche, hallende Flure und ungenutzte Verkehrsflächen mit Bahnhofscharakter, abweisend gestaltete Sekretariate, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und wenig durchdachte Mensa- und Freizeitbereiche sind ebenfalls schlechte Voraussetzungen für ein gutes Schulklima – jedoch noch immer allgegenwärtig in der bundesdeutschen Bildungslandschaft.

 

Raumkultur: Schule als Lern- und Lebensraum

Aus diesem Grund ist es wichtig, den Raum als „dritten Pädagogen“ in der Schulentwicklung nutzbar zu machen. Ziel der Schularchitektur sollte es sein, pädagogische Konzepte bestmöglich bau-gestalterisch zu unterstützen. Bewährt hat sich die Bildung von teiloffenen Clustern, die ähnlich einer Wohngemeinschaft den verschiedenen Jahrgangsstufen individuell Raum für Unterricht, Teamarbeit, Präsentation von Arbeitsergebnissen, Erholung und Spiel bieten. Dabei werden multifunktional eingerichtete Klassenzimmer rund um transparent gestaltete »Marktplätze« und »Kreativbereiche« gruppiert. Jedem Cluster gehört auch ein Lehrerteamraum an. Eine verlässliche Grundordnung und durchdachte Garderoben- und Stauraumlösungen ermöglichen schnelle Sozialformenwechsel und geben den Lehrkräften die Chance, auf die unterschiedlichen pädagogischen Erfordernisse flexibel zu reagieren.
Nicht zuletzt wird die Lernförderlichkeit von Räumen durch die Akustik bestimmt. Hohe Schallpegel verringern die Leistungsfähigkeit von Schülern und Lehrkräften. Nachweislich kann bei Lärm weniger mitgeteilt und aufgenommen werden (sog. Lombard-Effekt). Ein durchdachtes Akustikkonzept hingegen wirkt sich positiv auf Konzentration, Spracherwerb und Gesundheit aus.

Lernkultur: Zutrauen in die Kinder und ihre Kompetenzen

Wenn man Kindern ihren persönlichen Voraussetzungen entsprechend Eigenverantwortung überträgt, entstehen Lernfreude und Lernerfolg. Kinder müssen sich erproben dürfen und komplexe Zusammenhänge möglichst lebensnah erfahren. Ehrlicherweise ist dies jedoch nur mit einer Neujustierung der Lehrer-Schüler-Beziehung und durch eine fehlerfreundliche Lernkultur mit offenen Lernangeboten zu erreichen. Es gilt, den Lernenden von Grund auf mehr zuzutrauen, als nur den passiven Nachvollzug wissenschaftlich vordefinierten Wissens. Aus diesem Grund plädieren Bildungsforscher vehement für einen Wandel weg von einer belehrenden Erzeugungsdidaktik hin zu einer „Ermöglichungsdidaktik“ (Arnold/Goméz-Tutor 2007). Neue Ergebnisse der Hirnforschung unterstützen diese Forderung, wonach Kinder aus eigenem Antrieb heraus lernen, und diese Fähigkeit bestmöglich gefördert wird durch ein anregendes, wertschätzendes Lernklima.

Unterrichtet man Fächer ausschließlich (!) frontal, ist es schwer auf die unterschiedlichen Lernstände und Bedürfnisse einzugehen. Wählt man hingegen schülerzentrierte Methoden in Kombination mit Phasen frontaler Instruktion, entsteht Raum für das selbstbestimmte Vertiefen von Lerninhalten und individuelle Förderung (z.B. Wochenplanarbeit). Denn offene Lernangebote und Binnendifferenzierung sind keine Prinzipien, die im Widerspruch zu Leistungsorientierung und diszipliniertem Lernen stehen müssen – auch wenn dies vielfach befürchtet wird. Dadurch, dass miteinander gelernt und gearbeitet wird (sog. peer learning), werden Sozialkompetenz, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit gestärkt und Motivation und Bereitschaft zur Mitarbeit wachsen. Projektarbeit und Querschnittsaufgaben geben den Lehrkräften Zeit für den Aufbau von Beziehungen zu den Schülern oder aber auch Zeit für Teamarbeit mit Kollegen. Um diesen Lernkulturwandel professionell umsetzen zu können, müssen Lehrkräfte ihr Rollenverständnis neu denken und alte Handlungsroutinen ablegen. Sie werden so zu Lernbegleitern und Moderatoren.

Teamkultur:  Wertschätzendes Miteinander und Arbeiten im Team

Kinder sollen Teamfähigkeit lernen und Konflikte konstruktiv lösen. Wie aber ist es um die Team- und Konfliktfähigkeit der Erwachsenen bestellt?
Wird den Schülern im wahrsten Sinne des Wortes mehr Freiraum für eigenverantwortliches Lernen und Ausprobieren gegeben, dann verändert sich auch die Zusammenarbeit von Lehrkräften, Sozialpädagogen und Verwaltung. Da unsere konventionelle Schulkultur jedoch tendenziell ein kooperationshemmendes, kontrollbasiertes „Nebeneinander“ erzeugt und in der Lehrerbildung Sozialkompetenzen sowie verständigungsorientierte Kommunikationsformen zwar angeschnitten, aber nicht ausreichend vertieft werden, ist die Entwicklung eines vertrauensvollen „Miteinanders“ mitunter schwierig.

Etwas überspitzt formuliert, verstehen sich Lehrer vielfach als Einzelkämpfer in der täglichen Auseinandersetzung mit lern-unwilligen Schülern, verständnislosen Eltern, frustrierten Kollegen und distanzierten Vorgesetzten. Eine konstant hohe Arbeitsbelastung steht einem qualitätsvollen Unterricht und intensiver Elternarbeit im Weg. Jeder scheint froh, wenn er sein eigenes Stundenpensum erledigt hat, und sich dem Chaos im Lehrerzimmer entziehen kann.
Lehrerkollegien haben jedoch ein unglaubliches Synergiepotential, das leider allzu oft ungenutzt bleibt. Dabei sind beständige Anerkennung und eine wertschätzende Kommunikation die entscheidenden Triebkräfte für Engagement und Kooperation. Eine ermutigende Teamkultur kann das persönliche Belastungsempfinden entscheidend senken, wenn beispielsweise Material getauscht, fächerübergreifende Lernangebote gemeinsam geplant und arbeitsteilig vorbereitet werden, und im Team unterrichtet und reflektiert wird. Insbesondere durch die Einführung von Ganztagsschulen wird eine Neuorganisation und verbesserte Arbeitsteilung im Schulteam immer wichtiger. Die vorhandenen räumlichen Ressourcen und zeitlichen Voraussetzungen dafür müssen jedoch eingefordert und verteidigt werden.
Gelingende Teamarbeit an Schulen ist ein wesentlicher Indikator für ein gutes Schulklima, für qualitätsvollen Unterricht und den Grad der Professionalisierung. Natürlich ist Teamentwicklung ein persönlicher Prozess, der nicht „auf dem Dienstweg verordnet“ werden kann. Neue Rituale (z.B. Feedbackrunden, Teamtage) können jedoch helfen, die kollegiale Praxis zu verbessern und die Arbeitsmotivation zu steigern. Organisatorische, koordinatorische und symbolische Hilfestellungen seitens der Schulleitung sind ebenso wichtig und nötig.

Schulentwicklung braucht Vertrauen und Mut

Wenn Schulentwicklung nicht zwischen Schockstarre und kurzatmigem Aktionismus passieren soll, erfordert sie von allen Beteiligten eine Menge Engagement und Veränderungsbereitschaft, alte Strukturen aufzubrechen. Unsicherheit, Bedenken und Ängste sind in diesem Zusammenhang nur allzu natürlich. Entscheidend ist jedoch der Umgang damit. Es reicht nicht aus, auf organisatorischer Ebene Reformen anzustoßen, wenn die Entscheidungsträger nicht bereit sind, sich auch auf persönlicher Ebene weiterzuentwickeln.

Aus diesem Grund brauchen Schulleiter und Lehrer Rückenstärkung seitens der Eltern und der Politik. Basis dafür sind Vertrauen und Zutrauen in die Schüler und Lehrkräfte, sowie Mut, einzelne Veränderungsideen konsequent umzusetzen und produktiv voranzutreiben. Eine Chance für den nachhaltigen Wandel unseres Bildungssystems liegt in der Synthese aus Raum-, Lern- und Teamkultur. Nicht allgemeingültige Rezepte und Methoden streitereien sind entscheidend, sondern das generelle Zugeständnis, an Schulen neue Freiräume für Lernen und Zusammenarbeit zu schaffen.
Für knappe finanzielle Budgets und technische Fragen finden sich – einmal ernsthaft auf den Weg gebracht – immer Lösungen. Glücklicherweise gibt es bereits Schulen in Deutschland, die den Lernkulturwandel aktiv vorantreiben und sich als echte Gemeinschaft in ihrem Schulhaus verstehen. Kaum ein Kollege, Schülersprecher oder Elternvertreter ist wirklich zufrieden mit dem Status Quo von Schule – es sollte also nicht schwierig sein Mitstreiter zu finden, denn Veränderung kann ansteckend sein und ist im Regelschulbetrieb möglich.
Die vorgetragene Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen Schule im Allgemeinen, vielmehr plädiert sie für eine konstruktive Schulentwicklung, die den Schülern Freiraum zum Lernen und zur persönlichen Entwicklung lassen und die Pädagogen ebenfalls in ihrer tagtäglichen Arbeit bestmöglich unterstützen.

 

 

 

Karin Doberer

Human- und Prozesscoach
Inhaberin der LernLandSchaft®
(Gründung 2003)

Katharina Bucher

Erwachsenenpädagogin (M.A.)
Mitarbeiterin der LernLandSchaft®
seit 2014

Zitierte Literatur:

Arnold, R.; Goméz-Tutor, C. (2007): Grundlinien einer Ermöglichungsdidaktik: Bildung ermöglichen - Vielfalt gestalten, 1. Auflage, ZIEL Verlag
Burow, O. A. (2014): Wertschätzende Schulleitung. Wie Schulleiter Engagement, Wohlbefinden und Spitzenleistung fördern können. In: SchulVerwaltung, Nr. 12, S. 330-332
Felten, M. (2012): Schluss mit dem Bildungsgerede! Eine Anstiftung zu pädagogischem Eigensinn. Bundeszentrale für politische Bildung
Henderson, A. T.; Johnson, V.; Mapp, K. L.; Davies, D. (2007): Beyond the Bake Sale: The Essential Guide to Family/School Partnerships, The New Press
Juul, J. (2010): Schulprobleme? Kinder, Schule, Eltern – ein lebenswichtiges Dreieck. In: Wege. 2 /2010, S. 36-37.
Riegel, E. (2004): Schule kann gelingen! Wie unsere Kinder wirklich fürs Leben lernen. Fischer Taschenbuch Verlag
Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (2015): Bayerische Leitlinien für die Bildung und Erziehung von Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit, zuletzt abgerufen am 20.03.2015 unter: https://www.isb.bayern.de/schulartuebergreifendes/paedagogik-didaktik-methodik/leitlinien-fuer-bildung-und-erziehung/

Nicht zitierte, aber verwendete Literatur:

Doberer, K.; Bucher, K. (voraussichtlich September 2015): Herzlich Willkommen in unserer Schule! - Wie pädagogische Architektur zu Zusammenarbeit und Lernerfolg einlädt. In: Oechslein, K.; Englisch, U.; Glatter, C.; Volz, K.; Weigert, T.; Winter, R. (2015): Elternratgeber für Schulleiter. Carl Link Verlag
Herz, O. (2009): Das ABC der guten Schule. Patmos Verlag
Rychen, D.S.; Salganik, L. (Hrsg.) (2003): Key Competencies for a Successful Life and a Well-Functioning Society, Hogrefe & Huber
Watschinger, J.; Kühebacher, J. (Hrsg.) (2007): Schularchitektur und neue Lernkultur. h.e.p. verlag ag